Das Thema ökologische Tierzucht ist durch die Industrialisierung der Landwirtschaft sehr elementar für die Biobranche geworden. Seit Ende der 50er Jahre wurde in der Tierzucht immer stärker auf Leistung und Wirtschaftlichkeit gesetzt, auf der Strecke blieben dabei einige alte Rassen und vor allem auch das Tierwohl. In der Landwirtschaft entstanden Auswüchse wie z.B. dass den Ferkeln die Schwänze kupiert werden, den Hühnern die Schnäbel gekürzt und die männlichen Küken der Legehennen nach dem Schlüpfen getötet werden.In der ökologischen Tierhaltung ist das erklärte Ziel, die Haltungsbedingungen so zu gestalten, dass die Tiere sich wohlfühlen. Die Tiere durch Eingriffe an schlechte Haltungsformen anzupassen, ist der falsche Weg.Tiere zu züchten, bedeutet, sich intensiv mit den Tieren und ihrer Lebenswelt auseinanderzusetzen. Welche Parameter sind in der ökologischen Tierhaltung wichtig und sind gute Leistungen, hohe Produktqualität und Tierwohl vereinbar?
In der im März 2015 gegründete ökologische Tierzucht gGmbH haben sich die beiden großen Anbauverbände Bioland und Demeter zusammengeschlossen, um ihr Knowhow zu bündeln, Zuchtvorhaben voran zu bringen und die Finanzierung dieser umfangreichen Aufgabe anzupacken.Es geht darum, authentische Strukturen für eine ökologische Tierzucht zu schaffen. Für den Anfang liegt der Schwerpunkt im Aufbau von eigenen Zuchtstrukturen für ökologisches Geflügel. Ziel ist es den Widerspruch aufzulösen, an die Haltung und Fütterung von Geflügel höchste Ansprüche anzulegen, aber die Zuchtlinien dieser Tiere von wenigen großen Konzernen kommen, wo sie in Käfigen gehalten werden und auf konventionelle Haltung getrimmt werden.
Der Aufbau einer alternativen ökologischen Züchtung ist in jeder Hinsicht sehr aufwändig, das heißt teuer. Anders als bei der konventionellen Zucht, bei der alle Tiere in Käfigen gehalten werden und damit die Leistungsdaten einfach erhoben werden können, laufen ökologische Zuchttiere unter natürlichen Bedingungen in der Herde. Für gute Zuchtergebnisse ist es erforderlich akribisch vorzugehen. Um Futtermengen, Legeleistung und Gewichtszunahme einzelner Tiere zuordnen zu können, ist eine spezielle Technik notwendig.
Die ÖTZ benötigt in den kommenden Jahren eine Investitionssumme von mindestens 10 Mio Euro.
Dafür bedarf es der Unterstützung vom Naturkostfachhandel und den Verbraucherinnen und Verbrauchern, die bereit sind, beispielsweise durch höhere Eierpreise ihren Anteil an dem Zuchtvorhaben beizusteuern.

 
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2016-02-09T14:26:57+00:00 3. Februar, 2016|